Das E -Imobil
Das E-Mobil – eine unfassbare Geschichte
Aufgrund meiner gesundheitlichen Einschränkungen durch Parkinson und der schwierigen Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel in und um Lüneburg entschied ich mich, ein gebrauchtes E-Mobil anzuschaffen.
Mehr war für mich finanziell nicht möglich.
Ich hatte mich vorher über verschiedene Modelle informiert und bei der einzigen Werkstatt vor Ort angefragt, ob dort Wartung und Inspektionen für dieses Fahrzeug übernommen werden könnten. Als ich eine Zusage erhielt, war ich erleichtert. Ich wollte sicher sein, dass das gebrauchte Fahrzeug fachgerecht überprüft und betreut werden konnte.
Daraufhin kaufte ich das E-Mobil, das aus dem Rheinland geliefert wurde.
Schon bei der Anlieferung zeigte sich das erste Problem: Der Leerlaufhebel klemmte. Ich wartete darauf, dass ein Monteur sich das ansieht – doch es passierte nichts.
Schließlich konnte ein Bekannter von mir, der kräftiger und technisch versiert ist, den Hebel aus seiner Blockade lösen. Danach lief das Fahrzeug zunächst wieder.
Trotzdem wollte ich weiterhin eine Inspektion durchführen lassen. Gerade weil das E-Mobil gebraucht war, erschien mir eine Überprüfung wichtig.
Doch ich erhielt keine Rückmeldung.
Das war besonders belastend, weil ich zu dieser Zeit bereits viele andere Baustellen hatte, bei denen ich ebenfalls ständig hinterherlaufen musste. Es bewegte sich vieles einfach nicht mehr weiter, obwohl ich dringend auf Unterstützung angewiesen war.
Zunächst fuhr das Fahrzeug gut. Doch eines Tages klemmte der Leerlaufhebel erneut – diesmal so fest, dass klar war: Hier musste jemand vom Fach schauen.
Ein Mitarbeiter der Werkstatt kam vorbei, sah sich die Situation an und teilte mir mit, dass er die Haube nicht öffnen dürfe.
Er erklärte mir, es gebe zwei mögliche Ursachen: Entweder sei der Motorblock defekt oder der Leerlaufhebel sei lediglich festgeklemmt. Sein Kollege sei gerade im Urlaub, aber in wenigen Wochen könne man das Fahrzeug vermutlich abholen. Ich solle es bis dahin nur vor Frost schützen.
Mit jeder weiteren Woche, in der ich nicht fahren konnte, wurde die Situation belastender. Ich war dringend auf das E-Mobil angewiesen, und gleichzeitig blieb ich ohne eine klare Lösung.
Ich begann deshalb häufiger in der Werkstatt nachzufragen, weil es so nicht weitergehen konnte.
Schließlich erklärte mir der Mitarbeiter, dass er das Fahrzeug nicht abholen würde, solange kein Ersatz-Motorblock vorhanden sei. Dieses Modell werde nicht mehr geführt. Er habe versucht, den Hersteller zu erreichen, dieser sei jedoch „in Thailand“.
Als Laie konnte ich diese Aussagen nicht beurteilen. Ich wusste nur: Ich hatte ein Fahrzeug, das ich dringend brauchte, und ich bekam keine klare technische Einschätzung.
Daraufhin rief ich selbst bei einem Händler an und fragte nach, ob es für dieses Modell überhaupt noch Ersatzteile gebe.
Dieser reagierte sehr ungehalten, weil er offenbar dachte, ich wolle ihn mit dieser Frage nicht ernsthaft beschäftigen. Er erklärte mir, dass es selbstverständlich Ersatzteile gebe.
Diese Information gab ich an den Techniker weiter.
Daraufhin erklärte er, meine Unterlagen würden ein falsches Modell ausweisen. Genau dieser Punkt hätte jedoch durch eine Inspektion am Anfang festgestellt werden können.
Trotzdem blieb die Situation unverändert: Der Techniker wollte das Gerät erst prüfen, wenn ein passender Ersatz-Motorblock vorhanden sei.
Um überhaupt herauszufinden, welcher Motorblock benötigt wurde, musste ich schließlich selbst die Abdeckung öffnen – gemeinsam mit meinem Nachbarn, der Elektriker ist.
Dabei fanden wir nicht nur die richtige Bezeichnung des Motorblocks heraus, sondern vor allem die tatsächliche Ursache des Problems:
Das Gehäuse war verzogen. Dadurch konnte sich der Leerlaufhebel nicht bewegen.
Mein Nachbar konnte die Stelle vorsichtig ausbeulen – und nach wenigen Minuten fuhr das E-Mobil wieder.
Meine Bitte um eine Inspektion hatte ich zu keinem Zeitpunkt zurückgezogen.
Doch nachdem ich dem Techniker mitgeteilt hatte, was wir gefunden hatten, hörte ich nie wieder etwas von ihm.
Im Winter zeigte sich dann, dass die Akkus Probleme machten.
Das war zunächst keine Überraschung – Akkus haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen irgendwann ersetzt werden.
Doch danach stellte sich heraus, dass das Ladegerät, das ich erhalten hatte, gar nicht zu den Akkus passte.
Auch das hätte eine Inspektion zu Beginn vermutlich erkennen können.
Ich kaufte deshalb neue Akkus und ein passendes Ladegerät. Inzwischen unterstützte mich mein Nachbar bei vielen Dingen, weil ich sonst kaum jemanden hatte, der mir helfen konnte.
Doch mit der Zeit traten immer mehr Störungen auf, die nicht mehr durch private Hilfe oder Improvisation zu lösen waren.
Ich suchte lange nach einer Werkstatt und fand schließlich eine, die tatsächlich einen Termin in absehbarer Zeit anbieten konnte.
Ich schöpfte Hoffnung – auch wenn allein die weite Anfahrt mit 150 € zu Buche schlug.
Der Händler kam schließlich zu mir.
Doch statt einer Lösung erlebte ich etwas, das mich tief getroffen hat: Ich fühlte mich nicht ernst genommen.
Er erklärte mir, das Fahrzeug sei ein Sicherheitsrisiko und eine Reparatur lohne sich vermutlich nicht mehr.
Ich brach in Tränen aus.
Zu diesem Zeitpunkt war ich fast zwei Jahre ohne echte Teilhabe am Leben gewesen. Ich konnte viele Dinge nicht mehr erreichen, die für andere selbstverständlich sind, und sah kaum noch eine Perspektive.
Der Händler tröstete mich und erzählte mir, er habe „zufällig“ ein Angebot für genau so ein Modell. Er fragte mich, wie viel ich aufbringen könne.
Ich war in diesem Moment völlig überfordert und mitten in einem Zusammenbruch.
Am Ende gab ich mein altes E-Mobil für 300 € in Zahlung und erwartete ein anderes Fahrzeug für etwa 5.000 €.
Er versicherte mir, es sei kein Problem, falls das neue Modell nicht passen sollte – ich könne es ja nicht vorher ausprobieren.
Als das neue Mobil geliefert wurde, wurde zunächst Barzahlung verlangt.
Das lehnte ich ab. Ich wollte nicht mit einer größeren Bargeldsumme über den Platz am Sande laufen. Außerdem war für mich eine Zahlung auf diesem Weg nicht akzeptabel.
Schon bei der Übergabe stellte sich heraus: Dieses Modell war eine Katastrophe für mich. Es hatte kaum etwas mit dem Fahrzeug gemeinsam, das ich vorher gefahren hatte und mit dem ich mich zurechtgefunden hatte.
Der Händler ging auf meine Bedenken nicht wirklich ein. Ich merkte schnell, dass ich mich in dieser Situation nicht durchsetzen konnte.
Zum Glück hatte ich kein Bargeld dabei.
Auf dem Weg zur Bank, um die Überweisung zu tätigen, bog ich direkt zur Verbraucherzentrale ab.
Mit deren Unterstützung gelang es, den Kauf rückgängig zu machen – auch wenn dieser Schritt für mich sehr unangenehm und belastend war.
Erschöpfung, Isolation und ein letzter Hoffnungsschimmer
Nach der Rückabwicklung dieses Fehlkaufs war ich völlig erschöpft.
Ich war schließlich krank, und die Situation wurde zunehmend belastend. Meine Bewegungsmöglichkeiten waren immer weiter eingeschränkt. Dinge, die früher selbstverständlich waren – Sport, Chor, Alltagswege –, wurden zu großen Herausforderungen.
Besonders schwierig wurde es, als die Lüneburger Buslinien umgestellt wurden. Mehrfach brach ich unterwegs in der Kälte zusammen.
Im Winter konnte ich ohnehin kein E-Mobil fahren. Aber ich hatte wenigstens die Hoffnung, im Sommer wieder ins Freibad oder Naturbad fahren zu können.
Diese Hoffnung wurde immer kleiner.
Ich war fast zwei Jahre ohne wirkliche Teilhabe am Leben.
Ohne Mobilität.
Ohne die Möglichkeit, einfach selbst irgendwohin zu fahren.
Und jedes Mal, wenn ich versuchte, eine Lösung zu finden, kam eine neue Hürde dazu.
Ich musste alles selbst organisieren, selbst nach Lösungen suchen und immer wieder kämpfen – obwohl mein Körper durch die Erkrankung längst an seine Grenzen gekommen war.
Dann gab es einen Moment der Hoffnung:
Ich wandte mich an eine Stiftung.
Dieser Antrag war eine enorme zusätzliche Belastung. Für viele Menschen werden solche Anträge durch Einrichtungen oder Verwaltungen unterstützt. Als Privatperson steht man jedoch vor einem sehr komplexen Verfahren.
Trotz meiner Erschöpfung blieb ich dran.
Schritt für Schritt.
Trotz Angst, Rückschlägen und der ständigen Unsicherheit.
Und tatsächlich übernahm die Stiftung in meinem Fall schließlich ausnahmsweise die Kosten.
5.000 €.
Damit bekam ich ein Sonderangebot in einer Filiale vor Ort – in einem Laden, in dem ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder freundlich und ernst genommen fühlte.
Das Ausstellungsstück – Hoffnung, Frost, Ausfälle
Ich hätte noch etwas warten können, bis das neue Modell verfügbar gewesen wäre.
Oder ich konnte das Ausstellungsstück nehmen, das als „neuwertig“ galt.
Ich entschied mich dafür, dem Laden entgegenzukommen. Nach allem, was vorher passiert war, wollte ich mich erkenntlich zeigen. Der Laden war mir großzügig entgegengekommen, und ich dachte: Wenn das Fahrzeug als Ausstellungsstück einwandfrei funktioniert, spricht nichts dagegen.
Nach der Abwicklung der Formalitäten holte ich das Fahrzeug ab.
Wir machten Fotos für die Stiftung, und ich bewarb den freundlichen Laden sogar noch, weil ich wirklich dankbar war, endlich Menschen gefunden zu haben, die mir zugewandt begegneten.
Vor der nächsten Fahrt lud ich das E-Mobil auf.
Dann fuhr ich in die Stadt.
Es war ein kalter Tag, etwa 5 °C. Das weiß ich noch, weil diese Temperatur für Akkus eine Grenze sein kann: Bei niedrigen Temperaturen kann die Leistung nachlassen und der Akku schneller entladen werden.
Ich hatte aber keine lange Fahrt geplant.
Doch keine zwei Kilometer später setzte das Fahrzeug plötzlich vollständig aus.
Ich erschrak.
Ein Neustart gelang, aber nach wenigen Metern blieb es wieder abrupt stehen.
Ich war mitten in der Fußgängerzone und musste überlegen, wie ich aus dieser Situation herauskomme. Ich wusste, dass dort auch Fahrzeuge unterwegs sind und ich nicht einfach stehen bleiben konnte.
Mit einem weiteren Neustart schaffte ich es, langsam bis vor Karstadt zu fahren, wo ich neben Fahrrädern parken konnte.
Dort fiel das E-Mobil erneut aus.
Gleichzeitig beobachtete ich, wie die Akkuanzeige von 100 % auf 0 % sprang.
Da war für mich klar: Hier stimmt etwas nicht.
Ich brach in Tränen aus.
Mein Dopaminspiegel fiel ab, und ich hatte große Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Gleichzeitig hatte ich noch einen wichtigen Termin und versuchte, die Telefonnummer des Ladens herauszufinden.
Später erreichte ich den Laden. Der Umgang dort war freundlich, und ich fuhr nach Hause, weil ich völlig erschöpft war.
Der Techniker kam vorbei, holte sich Schlüssel und Standort und fuhr zu meinem E-Mobil.
Nach einiger Zeit rief er an und sagte, er bringe das Fahrzeug gleich wieder zurück.
Ich freute mich – fragte aber sofort:
„Was hatte es denn?“
Dann stellte sich heraus: Er wusste zunächst gar nicht, was passiert war.
Er war hingefahren, hatte das E-Mobil gestartet und konnte damit fahren. Deshalb war er davon ausgegangen, dass kein Fehler vorliege.
Erst nachdem ich den Ablauf noch einmal genau geschildert hatte, sagte er, dass dann tatsächlich etwas nicht stimmen müsse.
Die Mitarbeiterin im Laden erklärte mir anschließend, das Fahrzeug müsse eingeschickt und überprüft werden.
Dabei müsse auch geprüft werden, ob eventuell „Eigenverschulden“ vorliege.
Für mich war diese Aussage schwer verständlich – es handelte sich um die zweite Fahrt mit diesem Fahrzeug.
Da ich ohnehin einige Wochen zur Reha musste, passte es zeitlich trotzdem.
Als ich nach vier Wochen zurückkam, dauerte es noch etwas, bis ich das E-Mobil wieder abholen konnte.
Man teilte mir mit, es habe tatsächlich einen Defekt am Akku gegeben. Dieser sei ausgetauscht worden.
Ich glaubte, dass nun endlich alles gut sei.
Doch ich traute mich kaum noch, mit dem E-Mobil weiterzufahren.
Das Gefühl, dass es jederzeit plötzlich stehen bleiben könnte, saß tief in mir. Nach diesem ersten Erlebnis war das Vertrauen erschüttert.
Aber genau dafür hatte ich das E-Mobil angeschafft: um wieder ein Stück Beweglichkeit und Selbstständigkeit zurückzubekommen – besonders, weil ich damit wieder ins Freibad oder Naturbad fahren wollte.
Also plante ich meine erste längere Fahrt über etwa 6 km.
Es war ein extrem heißer Tag.
Und zum Glück war ich noch nicht weit gekommen, als das Fahrzeug wieder plötzlich stehen blieb.
Ich entschied mich, nach links zu Penny auf den Parkplatz zu fahren. Dort könnte im Notfall ein Techniker das Fahrzeug besser erreichen.
Ein Neustart gelang.
Für einen Moment fühlte es sich wieder ganz normal an. Ich überlegte kurz, ob ich mich vielleicht geirrt haben könnte.
Aber ich wusste: Das war nicht der Fall.
Ich fuhr nicht zum Naturbad.
Zum Glück.
Denn kurz darauf, am nächsten Tag, fiel es erneut plötzlich aus.
Vollgeladen.
Das Ladegerät zeigte den Ladevorgang eindeutig an: gelbe Leuchte bei etwa 75 %, danach stieg die Anzeige bis 100 % und wechselte auf grün. Genau in diesem Moment hatte ich das Ladegerät abgesteckt.
Ich bin nie mit einem nicht ausreichend geladenen Fahrzeug gefahren. Ich habe mich an den empfohlenen Lade-Rhythmus gehalten und immer darauf geachtet, dass der Akku nicht leer gefahren wird.
Ich war nie unter 50 % Akkuanzeige gefahren. Während meiner Fahrten hatte ich höchstens ein bis zwei Ringe verbraucht.
Ich wusste also, dass das Fahrzeug geladen war.
Trotzdem fiel es kurz vor Graalwall am Gesundheitsamt erneut aus.
Es ließ sich starten, aber die Abstände wurden immer kürzer. Und wieder passierte genau das Gleiche wie beim ersten Mal:
Die Akkuanzeige sprang plötzlich von 100 % auf 0 %.
Ich rief im Laden an.
Die Mitarbeiterin seufzte bereits – offenbar gab es zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten mit den Fahrern.
Ich hatte einen Termin im Amt und hoffte, dass sich danach manches klären würde. Ich sagte, dass ich mich in der Nähe des Lambertiplatzes befand und vielleicht sogar noch bis zum Laden kommen könnte.
Nach meinem Termin startete das E-Mobil wieder.
Auf der Straße fiel es erneut aus.
Ich konnte es wieder starten und fuhr langsam und vorsichtig bis zum Laden am Lambertiplatz. Die Strecke war nicht weit.
Doch dort erwartete mich eine Überraschung:
Ein Schild an der Tür.
„Wir sind umgezogen.“
Nach einem Telefonat mit der Mitarbeiterin blieb mir nur eines:
Mit dem defekten E-Mobil wieder nach Hause zu fahren.
Was tatsächlich gelang – allerdings nur mit mehreren weiteren Ausfällen derselben Art.
Der Freitag – Zittern, Warten und ein Ersatzgerät
Am Freitag merkte ich, wie sehr mich die ganze Situation inzwischen körperlich belastete.
Mein Dopaminspiegel war wieder extrem beeinträchtigt. Ich wurde zittrig und merkte, dass meine Kraft immer weiter nachließ.
Die Mitarbeiterin hatte mir gesagt, dass man sich am nächsten Tag bei mir melden würde. Doch bis zum Nachmittag geschah nichts.
Da es mir nicht gut ging, rief mein Freund dort für mich an. Er war nicht vollständig über alle Einzelheiten informiert, aber ich hatte mehrere wichtige Termine vor mir und brauchte dringend Planungssicherheit.
Danach teilte er mir erleichtert mit, dass der Geschäftsführer voraussichtlich am Dienstag das E-Mobil abholen lassen könne.
Ich schaffte es noch vor Feierabend, eine E-Mail zu schreiben. Darin schilderte ich meine Situation, erklärte, wie sehr mich die Ausfälle belasteten, und bat um ein Ersatzgerät.
Ich fand es bemerkenswert, dass der Geschäftsführer mir tatsächlich am Samstag noch ausführlich antwortete.
Ich fühlte mich verstanden und ernst genommen.
Am Dienstag bekam ich ein Ersatzgerät.
Es hatte zwar nur eine Reichweite von etwa 6 km, aber angesichts meiner anstehenden Termine war für mich vor allem entscheidend, überhaupt wieder bestimmte Orte erreichen zu können.
Das Abholen – erneute Ausfälle und ein schwer auszuhaltender Widerspruch
Bevor mein eigenes Fahrzeug abgeholt werden sollte, hatte ich es bereits ein Stück nach vorne gefahren, damit der Mitarbeiter es leichter verladen konnte.
Auf diesen wenigen Metern fiel es zweimal aus.
Für mich war das erneut eine Bestätigung, dass der Fehler tatsächlich vorhanden war und nicht durch meine Bedienung verursacht wurde.
Der Mitarbeiter fuhr anschließend das Ersatzgerät in meine kleine Garage, während ich mein Ladegerät aus dem Keller holte.
Ich fand es sorgfältig und richtig, dass diesmal auch alles Weitere überprüft werden sollte.
Dann sah ich etwas, das mich sehr verunsicherte:
Der Mitarbeiter konnte mein defektes Fahrzeug ohne Probleme weiterfahren.
Ich hatte fest damit gerechnet, dass es auf dem Weg zum Verladepunkt wieder ausfallen würde – so wie es bei mir mehrfach passiert war: plötzlich, abrupt und ohne erkennbare Vorwarnung.
Doch bei ihm fuhr es.
Dieser Widerspruch war für mich schwer auszuhalten.
Nach den vielen Ausfällen, den Schreckmomenten und der ständigen Unsicherheit blieb die Frage:
Warum passiert es immer wieder bei mir – und warum funktioniert es in diesem Moment?
Das Ladegerät des Ersatzfahrzeugs
Auch mit dem Ersatzgerät wollte ich alles richtig machen.
Nach der Nutzung wollte ich es gewissenhaft wieder aufladen.
Dabei hörte ich ein Geräusch, das ich nicht einordnen konnte – ähnlich wie ein Gebläse. Gleichzeitig konnte ich keine Kontrollleuchte erkennen.
Im Sonnenlicht war diese Kontrollleuchte jedoch nur sehr schwach sichtbar.
Deshalb ging ich zunächst davon aus, dass möglicherweise das Ladegerät defekt sein könnte.
Da das Wochenende bevorstand, versuchte ich, schnell eine Lösung zu finden.
Später stellte sich heraus: Die Kontrollleuchte war vorhanden, aber durch das Sonnenlicht kaum zu erkennen.
Auch das Geräusch war normal – das Ladegerät arbeitete so, wie es sollte.
Es tat mir leid, dass dadurch erneut eine Nachfrage entstanden war.
Aber nach der Vorgeschichte – nach einem Fahrzeug, das mehrfach plötzlich ausgefallen war – bitte ich darum, nachvollziehen zu können, warum ich nicht einfach davon ausgehen konnte, dass alles in Ordnung ist.
Mir fehlten schlicht die Informationen, die mir hätten Sicherheit geben können.
Die Rückmeldung der Werkstatt – und der Schock danach
Etwa drei Wochen später erhielt ich die Nachricht, dass man keinen Fehler gefunden habe.
Mir wurde mitgeteilt, das E-Mobil sei über 20 km getestet worden und dabei „gut gefahren“, ohne dass Ausfälle aufgetreten seien.
Gleichzeitig wurde vermutet, dass ich vielleicht versehentlich an den Leerlaufhebel gekommen sein könnte oder dass es ein Problem mit meiner Steckdose im Keller geben könnte.
Diese Erklärung konnte ich nicht nachvollziehen.
Zum einen hatte ich das Fahrzeug immer geladen und den empfohlenen Lade-Rhythmus eingehalten.
Zum anderen ließen wir die Stromversorgung überprüfen.
Da wir zwei Elektriker im Haus haben, wurden die Steckdose im Keller, der Sicherungsstecker und das Verlängerungskabel kontrolliert.
Alles war in Ordnung.
Beide Elektriker erklärten außerdem, dass es nicht logisch sei, dass eine Kellersteckdose solche plötzlichen Ausfälle während der Fahrt verursachen könnte.
Ich teilte diese Informationen dem Geschäftsführer mit.
Gleichzeitig sagte ich ihm auch, dass ich es positiv fand, dass das Fahrzeug überhaupt getestet worden war. Ich fühlte mich zunächst ernst genommen, weil man sich die Zeit genommen hatte, das E-Mobil zu überprüfen.
Trotzdem blieb für mich die entscheidende Frage offen:
Was war die Ursache für die plötzlichen Ausfälle?
Denn die Ursache war nicht gefunden.
Ich machte mir große Sorgen, dass der Fehler jederzeit wieder auftreten könnte – vielleicht sogar erst nach Ablauf der Garantie.
Ich wäre dann weiterhin auf ein Fahrzeug angewiesen, dessen Verhalten ich nicht einschätzen konnte.
Nachdem sich die Werkstatt nach einigen Tagen noch nicht wieder gemeldet hatte, schrieb ich dem Geschäftsführer erneut.
Ich bat um eine genauere Erklärung, welche Prüfungen durchgeführt worden waren und was bei den beiden Reparaturfällen konkret festgestellt worden war.
Die Antwort des Geschäftsführers war höflich, aber für mich nicht ausreichend:
Er teilte mit, dass er den Techniker erneut um eine Rückmeldung bitten und einen Auslieferungstermin vereinbaren werde.
Außerdem erklärte er, dass ein zusätzlicher technischer Prüfbericht nicht automatisch erstellt werde und deshalb nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt werden könne.
Zum ersten Reparaturfall erklärte er, dass ein Defekt der Akkus festgestellt und diese auf Garantie ausgetauscht worden seien.
Zum zweiten Reparaturfall teilte er mit, man habe keinen Mangel feststellen können. Genauere Informationen würde mir der Techniker geben.
Dann kam die Nachricht des Technikers.
Und diese ließ mich sprachlos zurück.
Der Techniker schrieb:
„In beiden Fällen wurde das E-Mobil mit vollständig entladenen Akkus bei uns angeliefert.“
„Im ersten Fall war ein Laden nicht mehr möglich, da die Akkus tiefentladen und somit nicht reparabel waren. Diese wurden von uns auf Garantie getauscht.“
„Im zweiten Fall war es mir noch möglich, die Akkus zu laden. Während des Ladevorgangs wurden sämtliche Steckverbindungen und Kabel überprüft. Es wurden keine Fehler festgestellt.“
„Nach einer einstündigen fehlerfreien Probefahrt bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Problem im fehlerhaften Laden begründet sein muss.“
„Zumal Sie auch mit dem von uns bereitgestellten Leihgerät Probleme mit dem Laden hatten.“
„Da Sie nunmehr ausschließen können, dass ein Ladefehler vorliegt, bin ich sicher, dass alle Probleme beseitigt sind und einer sicheren Nutzung nichts mehr im Wege steht.“
Ich war sprachlos.
Denn diese Darstellung passte für mich nicht zu dem, was tatsächlich passiert war.
Ich hatte das E-Mobil nicht mit leerem Akku gefahren.
Ich hatte es immer geladen und den empfohlenen Lade-Rhythmus eingehalten.
Ich hatte den Ladevorgang kontrolliert: Das Ladegerät zeigte den vollständigen Ladevorgang an.
Auch die Situation mit dem Leihgerät war anders dargestellt, als ich sie erlebt hatte.
Ich hatte dort keinen Fehler beim Laden festgestellt. Ich konnte lediglich die Kontrollleuchte im Sonnenlicht kaum erkennen. Das Geräusch des Ladegeräts, das zunächst ungewohnt für mich war, stellte sich später als normal heraus.
Die eigentlichen Ausfälle meines eigenen E-Mobils waren jedoch andere:
Das Fahrzeug blieb während der Fahrt plötzlich stehen.
Die Akkuanzeige sprang dabei mehrfach von 100 % auf 0 %.
Diese Situationen waren für mich nicht nur ärgerlich, sondern beängstigend – denn ich war darauf angewiesen, mit diesem Fahrzeug sicher unterwegs sein zu können.
Auch die Überprüfung meiner Stromversorgung hatte ergeben, dass Steckdose, Kabel und Anschlüsse in Ordnung waren.
Für mich blieb deshalb die zentrale Frage offen:
Wie konnte die Ursache als geklärt gelten, wenn das eigentliche Problem – die plötzlichen Ausfälle während der Fahrt – nicht nachvollziehbar erklärt worden war?
Statt Sicherheit zu bekommen, blieb bei mir ein tiefes Gefühl der Verunsicherung zurück.
Denn ich brauchte das E-Mobil nicht als Komfortgegenstand.
Ich brauchte es, um wieder ein Stück meines Lebens zurückzubekommen.
Was diese Geschichte eigentlich bedeutet
Für manche Menschen ist ein E-Mobil vielleicht einfach ein Hilfsmittel.
Für mich war es viel mehr.
Es war die Hoffnung, wieder ein Stück Selbstständigkeit zurückzubekommen.
Ein Stück Freiheit.
Die Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, wohin ich fahre – ohne immer jemanden fragen zu müssen.
Durch Parkinson sind viele Dinge, die früher selbstverständlich waren, schwierig geworden. Wege, die für andere kaum eine Überlegung wert sind, können für mich eine große Herausforderung sein.
Das E-Mobil sollte mir ermöglichen, wieder am Leben teilzunehmen.
Zum Beispiel ins Freibad oder Naturbad zu fahren.
Zum Chor zu gehen.
Besorgungen zu machen.
Einfach wieder rauszukommen.
Nach fast zwei Jahren voller Hindernisse war dieses Fahrzeug für mich nicht einfach nur ein technisches Gerät.
Es stand für Hoffnung.
Umso schwerer waren die erneuten Ausfälle.
Es ging nicht nur um einen Defekt.
Es ging um die Angst, wieder genau dort zu landen, wo ich vorher war:
Zu Hause festzusitzen.
Abhängig zu sein.
Nicht planen zu können.
Immer wieder neue Hürden überwinden zu müssen.
Was mich besonders belastet hat, war nicht nur der technische Fehler selbst.
Es war auch das Gefühl, dass ich ständig beweisen musste, dass etwas passiert ist.
Dass ich richtig geladen hatte.
Dass ich das Fahrzeug richtig benutzt hatte.
Dass ich nicht einfach etwas falsch gemacht hatte.
Dabei hatte ich genau das Gegenteil getan:
Ich hatte versucht, besonders sorgfältig zu sein.
Ich habe mich an die Hinweise gehalten, den Ladezustand kontrolliert und Hilfe gesucht, sobald Probleme auftraten.
Trotzdem stand am Ende wieder die Unsicherheit im Raum.
Ein Fahrzeug für 5.000 €, das mir Sicherheit geben sollte – und stattdessen wieder Angst auslöste.
Ich wünsche mir nicht, dass niemand Fehler macht.
Technische Probleme können passieren.
Aber ich wünsche mir, dass Menschen, die auf ein Hilfsmittel angewiesen sind, ernst genommen werden.
Denn hinter jedem solchen Fahrzeug steht ein Mensch.
Ein Alltag.
Ein Leben.
Und manchmal hängt an einem solchen Gerät nicht weniger als der letzte winzige Faden Lebensmut.