Der Zoo ohne Tiere – ein Erlebnisraum für Kinder
"Sein Blick wandert langsam von links nach Rechts. Dan verharrt er. Nach einer Weile setzt er seinen massiven Körper in Gang, ein Hinterbein ,ein Vorderbein...stapft er voran und wieder verharrt er, ein Vorderbein erstarrt in der Luft, er lauscht und sucht reglos nur mit den Augen... "
Das ist kein T-Rex, sondern ein Vierjähriger Junge in einem Kinderschutzhaus ,der ein Dino ist.
Er nimmt die Bewegungen aus seinem Körpergedächtnis, denn er selbst hat niemals Dinos gesehen. So etwas sehe ich immer wieder. Kinder die sich in Tiere einfühlen und sie als Resource nutzen . In der Wanne das ist nicht mehr Mascha ,sondern hier liegt ein Alligator bäuchlings , nur die Nasenlöcher gucken aus dem Wasser. Die Kinder wissen ganz sicher wie das geht , was das Tier bedeutet und genießen es sich Respekt zu verschaffen .
Wir sind mit einer kindergruppe zum Tierpark Hagenbeck gegangen ,da wir Freikarten bekommen hatten. Ich bereite mich vor um Fragen nach Löwen und Co beantworten zu können-doch es kommen keine. Auch die Gehege Bewohner lassen die Kinder relativ Kalt, das Ziel der Träume ist ein Spielplatz. Na ob wir dafür in de Zoo gemusst hätten-doch da die Kinder sagen das der Spielplatz besonders ist . Wie auch immer wir fanden noch etwas das die Kinder hier begeistert hat: Eine Ameisen Strasse auf dem Weg.
Ich habe viele Jahre als Erzieherin gearbeitet, oft mit Kindern, die als schwierig oder „nicht erreichbar“ galten. In dieser Arbeit habe ich immer wieder etwas Ähnliches erlebt: Kinder lernen nicht am stärksten durch Zuschauen oder Erklären, sondern durch Bewegung, eigenes Handeln und gemeinsames Erleben. Zuschauen ist langweilig. Die Reform Pädagogin Maria Montessori prägte nicht umsonst den Satz "zeig mir ,wie ich es selbst tun kann!" als eine Leitlinie .
Und ehrlicherweise reden, erreicht vielleicht die Kinder fie Auditiv lernen, ich hab das nie verstanden .
Ein Seil konnte mehr über soziales Verhalten vermitteln als viele Worte. Wenn ein Kind zog, spürten alle anderen sofort die Wirkung. Lernen wurde körperlich, unmittelbar und verständlich.
Auch in Ausflügen und Alltagssituationen zeigte sich für mich immer wieder: Kinder brauchen nicht in erster Linie das passive Beobachten von Tieren hinter Gittern. Sie brauchen Abenteuer, Rollen, Räume und Möglichkeiten, selbst Teil einer Welt zu werden.
Aus diesen Erfahrungen heraus ist eine Idee entstanden:
Ein Zoo ohne Tiere – aber mit Lebenswelten.
Statt Tiere zu betrachten, werden Kinder selbst zu Teilnehmenden:
Sie bewegen sich durch begehbare Landschaften, werden zu Herden, Schwärmen oder Einzelwesen, erleben Wald, Wasser, Luft, Eis oder Nacht nicht als Erklärung, sondern als körperliche Erfahrung.
Es geht nicht um Ersatz, sondern um eine Verschiebung des Blicks:
Weg vom Zuschauen – hin zum Erleben.
Die Schönheit von Natur, Bewegung und Gemeinschaft bleibt erhalten, aber die Tiere müssen nicht mehr in Gehegen leben, damit Menschen etwas lernen oder fühlen können.
Diese Idee ist aus vielen konkreten Erfahrungen entstanden – aus der Arbeit mit Kindern, aus Spielräumen, aus Beobachtungen und aus der Überzeugung, dass Lernen dann am stärksten ist, wenn der ganze Mensch beteiligt ist.
Ich sehe diesen Ansatz nicht als fertiges Projekt, sondern als Einladung zum Weiterdenken:
Wie könnten Orte aussehen, an denen Kinder wirklich in Beziehung zu einer Welt treten – ohne sie zu konsumieren?