PKL und andere Alltagsabsurditäten

Nun war es soweit, ich musste in Lüneburg zum PKL, in die PIA (Psychiatrische Institutsambulanz). Ich hatte noch etwas Wartezeit. Die Cafeteria hatte noch nicht offen, und ich fand eine einzige Bank, die den Rauchern zu gehören schien. Vielmehr war ich aber etwas besorgt, ob man mich jetzt auf dem PKL‑Gelände für eine Patientin halten würde, und versteckte mich in meiner Jacke. Dann fiel mir ein, dass das auch nicht gerade unverdächtig wirkt.

Ich musste zum Haus 48, und das hatte ich mir ganz genau vorher angesehen, denn ich verliere im Stress leicht die Orientierung. Kaum aufgestanden, traf ich auf mehrere Bekannte, die es offenbar völlig normal fanden, auf dem Psychiatriegelände herumzulaufen und fröhlich erklärten, sie gingen Minigolf spielen. Was man hier so macht.

Ich war dann pünktlichst im Haus 48. Dort wurde ich jedoch hinauskomplimentiert und erhielt die vage Auskunft, hinten herum gehen zu sollen. Das konnte wirklich ALLES bedeuten. Ich geriet in Stress und begann im Kreis zu laufen – das passiert einfach, ich habe eine Nervenerkrankung, die eben dazu führt. Ich war so klug, den Kreisradius zu erweitern, nur da ich Gehstörungen habe, war das Ganze beschwerlich. Ich bekam zunehmend schlecht Luft und schwitzte. Beinahe hätte ich darüber den richtigen Eingang verpasst, denn ich landete nun vor Haus 48.

Wie bitte? Ja, tatsächlich hatte dieses psychiatrische Gelände zweimal die Hausnummer 48. Während ich überlegte, ob das vielleicht für an schizophrenie erkrankte Patientinnen sei oder eine Art Schnippschnapp‑ oder Memory‑Vorliebe zum Ausdruck bringen sollte, verhedderte ich mich auch schon im Innenbereich. Für die Gerontopsychiatrie fühlte ich mich noch zu jung.

Nachdem ich mehrfach rein und raus gegangen war, fand ich die Anmeldung. Dort erfuhr ich, dass ich wieder zurück musste in die Gerontopsychiatrie. Wer Gehstörungen hat und Parkinson und Hüftarthrose, kann sich denken, wie es mir mittlerweile ging.

Erstaunlich war nun, dass ich noch pünktlich kam – dafür verspätete sich die Ärztin. Ich bekam sofort, was sehr nett war, einen Folgetermin. Dieser wurde jedes Mal kurz vorher abgesagt. Vielleicht hilft es ja Menschen, in dem Glauben zu leben, irgendwann einen Termin zu haben – so eine Art Termin‑Placebo. Ich gehöre leider absolut nicht dazu, mir zieht es den Boden unter den Füßen weg.

Gerade passierte es wieder: Nachdem ich meine Wochenstruktur minutiös aufgebaut hatte – was ich tun muss, besonders seit ich krank bin –, hörte ich auf dem Anrufbeantworter folgende Botschaft: Ich möchte in der PIA anrufen. Aber nicht unter der Nummer, die ich auf dem Display gerade sehen würde (Gottseidank hat mein AB tatsächlich ein Display, zeigt aber beim Abspielen nicht die Nummern an), sondern folgender Nummer. Ohne den Namen zu nennen legte sie auf, und ich wählte die Nummer – es erklang folgende Ansage: Diese Nummer ist nicht mehr gültig.

In solchen Momenten frage ich mich, wer hier eigentlich die Orientierung verloren hat.